In ausgewählten Fällen kann direkt nach der Entfernung eines Zahnes bei ausreichendem Knochenangebot sofort ein Implantat gesetzt werden. Eine Sofortimplantation ist möglich, wenn keine akuten Entzündungen vorliegen und ausreichend Kieferknochen für eine sichere und feste Verankerung des Implantats vorhanden ist. Als Alternative zur Sofortimplantation kommt in einigen Fällen auch die Frühimplantation etwa sechs bis acht Wochen nach der Zahnextraktion zur Anwendung.
1. Sofortbelastung und Sofortversorgung
Eine Sofortversorgung bedeutet, dass unmittelbar nach der Implantation ein festsitzendes Provisorium, meist eine einfache Zahnkrone aus Kunststoff, auf dem Implantat verankert wird. Dadurch kann ein herausnehmbares Provisorium (Prothese oder Kunststoffschiene) vermieden werden. Voraussetzung für die Sofortversorgung ist eine sehr hohe primäre Stabilität des Implantats. Von der Sofortversorgung zu unterscheiden ist die Sofortbelastung, also die volle Kaubelastung auf dem Implantat. Sie ist möglich, wenn mehrere Implantate gesetzt und der innerhalb weniger Tage angefertigte Zahnersatz aus einer fest miteinander verblockten Konstruktion besteht. Die Sofortbelastung wird vor allem bei der minimal-invasiven Implantation angewendet.
2. Knochenaufbau
Wenn nicht ausreichend Kieferknochen für eine Implantation vorhanden ist, muss vorher oder auch zeitgleich mit der Implantat-OP ein Knochenaufbau vorgenommen werden. Hier können unterschiedliche Verfahren zum Einsatz kommen. Bei der „Knochenkondensation“ wird der Knochen seitlich verdichtet . Die Anlagerung von Knochenspänen und/oder Knochenersatzmaterial wird als „laterale Augmentation“ bezeichnet. „Bone spreading“ bedeutet das Aufspreizen des Kieferknochens in zwei Blätter. Die Knochenblocktransplantation gelingt durch die Anlagerung eines Knochenblocks vor der eigentlichen Implantation.
3. Sinuslift
Nach dem Verlust der oberen Backenzähne dehnt sich die darüber liegende Kieferhöhle nach unten aus, während der noch vorhandene Kieferknochen schrumpft. Oft ist dann nicht mehr ausreichend Platz für Implantate. Um sie dennoch einbringen zu können, kann der Kieferknochen durch eine Sinusliftoperation aufgebaut werden. Man unterscheidet hierbei zwischen dem direkten (offenen) und dem indirekten (geschlossenen) Sinuslift. Wenn nur wenige Millimeter Knochen fehlen, kann der Boden der Kieferhöhle über dem Implantatbohrloch angehoben werden. Anschließend wird sofort das Implantat eingebracht.
3D navigiert
Mittels der Digitalen Volumentomographie (DVT) und der Computertomographie (CT) kann ein dreidimensionales Bild des Knochens und der Zähne im Kieferbereichs dargestellt werden. Der Kieferknochen kann aus allen Richtungen untersucht und begutachtet werden. Informationen über die genaue Lage wichtiger anatomischer Strukturen lassen sich im Vorfeld erfassen und fließen in die Operationsplanung mit ein. Die Implantation kann im Vorfeld virtuell am PC durchgeführt werden. Die genaue Implantatsposition, seine Länge und Breite sowie die Achsenneigung lassen sich auf diese Weise simulieren. Dabei können auch Strukturen wie Nerven, Nachbarzähne und Kieferhöhle in Relation zur Position des Implantats beurteilt werden. Die so gewonnen Daten und Erkenntnisse werden verwendet, um eine Operationsschablone herzustellen. Diese besteht in der Regel aus transparentem Kunststoff und kann während der Implantation, ähnlich wie eine Knirscherschiene, auf der Zahnreihe befestigt werden. Durch die Operationsschablone kann die am Computer bestimmte Implantatsposition während der eigentlichen Implantation auf den Kieferknochen übertragen werden. Sie dient so als wertvolle Hilfe für den Chirurgen. Oft ist jedoch keine Operationsschablone nötig, da bereits die genaue Auswertung des DVT-Bildes am Computer alle für die Implantation nötigen Informationen liefert.
Feste Dritte Zähne an einem Tag
Fehlen bereits alle Zähne oder steht dieser Verlust in absehbarer Zeit bevor, ist die moderne Methode „Feste dritte Zähne“ eine zeitgemäße Alternative zu einem herkömmlichen Gebiss. Dazu sind in der Regel nicht mehr als vier Implantate pro Kiefer nötig. Unter Vollnarkose werden einer einzigen Operation verbliebene Zähne gezogen, die neuen Implantate einoperiert und die festen dritten Zähne eingesetzt. Mit dieser Operationsmethode kann der sonst notwendige, sehr aufwendige, schmerzhafte und zeitraubende Knochenaufbau vermieden werden. Die neuen Zähne sind bereits am gleichen Tag nach der Operation belastbar. Nach einer Woche werden die Nähte entfernt. Danach wird das individuell angefertigte Stahlgerüst eingearbeitet (bitte 3-4 Stunden Wartezeit einplanen). Sechs Wochen nach der Erstkontrolle erfolgt die nächste Untersuchung sowie die Planung der weiteren Schritte. Der endgültige Zahnersatz wird nach drei bis vier Monaten noch einmal an die abgeheilte Situation angepasst. Zwei- bis dreimal im Jahr sollte bei einem Besuch in der Praxis eine Reinigung des Implantats durchführt werden. Dazu wird der Zahnersatz abgenommen. Anschließend werden die Durchtrittsstellen der Implantate mit einem speziellen Pulver gereinigt. Alle ein bis zwei Jahre ist eine Röntgenaufnahme zur Kontrolle sinnvoll.